Wer hat sich eigentlich diesen Begriff „Work-Life-Balance" ausgedacht? Klingt ja nett – aber mal ehrlich: Was sagt das über unser Verhältnis zur Arbeit?
Work-Life-Balance klingt seit Jahren wie die Zauberformel der modernen Arbeitswelt. Der Begriff soll das große Ziel beschreiben: ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Beruf und Privatleben. Doch hinter dem hübschen Etikett steckt ein merkwürdiges Denkmuster – eines, das Arbeit und Leben als Gegensätze begreift.
Denn wer „Work" und „Life" gegenüberstellt, sagt im Grunde: Arbeit ist nicht Leben. Arbeit ist das, was man „hinter sich bringt", damit das eigentliche Leben endlich beginnen kann.
Diese Vorstellung ist – gelinde gesagt – befremdlich. Sie wertet einen enormen Teil unserer Lebenszeit ab.
Auf Freitag, 17 Uhr. Auf Wochenende. Auf Rente? Das wäre ein ziemlich trister Blick auf das eigene Dasein.
Dabei zeigt schon die Maslow'sche Bedürfnispyramide, dass Arbeit mehr ist als bloßer Broterwerb. Sie kann Zugehörigkeit stiften, Selbstachtung fördern und im besten Fall zur Selbstverwirklichung beitragen. Arbeit ist also nicht das Gegenteil von Leben – sie ist ein Teil davon. Wenn man sie lässt.
Man muss dafür gar nicht ins Silicon Valley blicken
Es reicht, die Augen zu öffnen. Es gibt sie überall – Menschen, die ihre Arbeit als Beruf(-ung) leben:
- Der Polizist, der tanzend den Verkehr regelt – und dabei halb YouTube begeistert.
- Die Müllwerkerin, die lachend und winkend von der Plattform ihres Fahrzeugs grüßt und so die morgendliche Routine vieler Nachbarn verschönert.
- Die Pflegekraft, die mit Wärme, Humor und echter Zuwendung ihre Patientin betreut und spürbar mit ihr lebt – nicht nur für sie arbeitet.
Diese Menschen zeigen: Freude an der Arbeit ist kein Luxus. Sie entsteht, wenn man im Tun Bedeutung findet – unabhängig von Hierarchie, Gehalt oder Statussymbol.
Work-Leisure statt Work-Life-Balance
Vielleicht ist es also Zeit, den schon wieder alten Begriff Work-Life-Balance in den Ruhestand zu schicken. Wie wäre es stattdessen mit Work-Leisure? Oder einfach: Lebensbalance.
Eine Haltung, die nicht zwischen Arbeit und Leben unterscheidet, sondern beide als Einheit begreift. Denn wer seine Arbeit als sinn-vollen und lebenswerten Teil des Lebens gestaltet, muss keine Balance mehr suchen – er lebt sie und fühlt sich darin lebendig.
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