Kennen Sie „schwarze Lügen"? So werden Unwahrheiten genannt, die Vorteile verschaffen sollen – betrügerisch, zum Nachteil anderer. Aber was ist eigentlich eine „weiße Lüge"?
Eine Unwahrheit, die dem Lügenden nützt und andere schädigt. Klarer Vertrauensbruch.
Eine Unwahrheit, um andere zu schonen oder zu schützen – aus Fürsorge, nicht aus Eigennutz.
Wie würden Sie im Gespräch reagieren, wenn Sie eine schwarze Lüge vermuten? Würden Sie Ihrem Gesprächspartner die Glaubwürdigkeit absprechen, laut werden, anschuldigend? Das sind denkbare Reaktionen auf einen angenommenen Vertrauensbruch.
Stellen Sie sich nun dieselbe Situation vor, nur mit einem kleinen Unterschied: Sie haben von einer Kollegin erfahren, dass das Kind des betroffenen Kollegen einen schlimmen Unfall hatte und teure persönliche Betreuung benötigt, die die Krankenkasse nicht bezahlt. Die schwarze Lüge wandelt sich hier in eine weiße Lüge.
Wie Hintergrundwissen das Gespräch verändert
Würden Sie mit diesem Wissen eher an einer gemeinsamen Lösung arbeiten wollen als in der vorherigen Situation? Höchstwahrscheinlich ist das der Fall. Und damit zeigt sich der Grund, warum man sich vor dem Gespräch über die eigenen Vor-Urteile und Meinungen klar werden sollte.
Wir können nur in den seltensten Fällen wissen, was in unserem Gegenüber vorgeht und was die Motive und Gründe für dessen Handeln sind. Daher gehen wir meist von dem Wenigen aus, was wir wissen oder glauben zu wissen.
Um ein konstruktives Krisengespräch zu führen, ist es oft von Vorteil, unseren Horizont im Vorfeld bewusst zu erweitern – über bekanntes Terrain hinaus zu denken.
Die entscheidende Haltung vor dem Gespräch
Wenn wir unserem Gesprächspartner nicht direkt zu Beginn eine böse Absicht unterstellen, sondern erst einmal annehmen, dass hinter seinem Handeln auch ein triftiger, nachvollziehbarer und nicht-schwarzer Grund liegen kann, wird das eine deutlich positivere Gesprächsatmosphäre erzeugen.
Selbstverständlich ist ein gewisses Maß an Skepsis nach wie vor angebracht, insbesondere bei einem klaren Betrugsverdacht. Dennoch sollten wir unserem Gegenüber immer die Chance geben, ehrlich sein zu können. Und das funktioniert nur, wenn er sich nicht bereits vor dem Gespräch verurteilt fühlt.
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